Gleitschirmkurs im Zillertal (Mai 1997)
Ich wollte schon länger mal einen Kurs für das
Gleitschirmfliegen machen. Dieses Jahr war es dann soweit. Ich bin nach
Österreich, ins Zillertal, gefahren. Dort gibt es die Zillertaler
Flugschule, bei der ich in sechs Tagen das Gleitschirmfliegen gelernt
habe.
An einem Samstag begann dann also der Kurs. Man hat uns schnell
passendes Gurtzeug und einen Schirm verpast. Tja, und dann ging es
eigentlich schon los, wir gingen zum Übungshang.
Da standen wir dann also, eben wurde uns noch gezeigt, wie so ein
Gleitschirm überhaupt aussieht, wie man ihn auslegt und wieder
zusammenlegt. Und schon steht die erste aus unserer Gruppe bereit, das
Ungetüm auszuprobieren.
Der Erste Teil des Kurses sind die sogenannten Aufziehübungen.
Hier sieht man mich bei meinen ersten Aufziehversuchen. Nachdem der
Schirm sorgfältig ausgelegt wurde, hängt man die beiden
Gurte des Schirmes in die Karabiner des Tragegurtes ein. Man steht mit
dem Blick zum Tal, der Schirm liegt hinter einem. Man greift einen Teil der Leinen,
wartet auf günstigen Wind und rennt dann wie ein Blöder in
Richtung Tal. Da kommt man erstmal nicht weit, da der Schirm sich
aufrichtet und mit Luft füllt. Das ergibt einen mächtigen Ruck
nach Hinten. Trotzdem zerrt man den Schirm nach Vorne. Dabei soll er
sich dann gleichmässig ausbreiten. Auf diesem Foto hat er das
noch nicht getan. Durch leichte Korrekturen mit den Steuerleinen kann man
diesen Zustand aber in den meisten Fällen beheben.
Nach der Aufziehphase nimmt der Schirm Geschwindigkeit auf, weshalb man
recht schnell laufen muss, um den Schirm weiterhin gefüllt zu
halten. Zum Glück hatten wir einen recht starken Wind, der den Hang
hinauf kam. Dadurch brauchte man nur langsam den Berg hinuntergehen, bzw.
man konnte sogar stehen bleiben. Dies gibt einem gute Gelegenheit, sich
mit dem Schirm und seiner Steuerung vertraut zu machen.
Wie man erkennt, ist hier das linke Ohr des Schirmes etwas eingeklappt.
Und wieder bin ich auf dem Weg nach unten. Diesmal mit etwas weniger
Wind, deshalb also im Laufschritt.
Einer der Fluglehrer verfolgt mich dabei und versucht mich per Zuruf
auf den rechten Weg zu bringen.
Was man auf diesen Bildern nicht sehen kann, ist der Schweiss, den man
in den ersten Tagen des Kurses vergiest. Unzählige Male muss man mit
dem Schirm wieder den Berg hochklettern, um dann sofort wieder nach unten
zu laufen. Alles in allem hatte man nach ein paar Stunden ziemlich die Nase
voll von der Fliegerei, soweit man dies bis dahin so nennen konnte.
An diesem Tag war ich soweit zu denken, dass ich das
Gleitschirmfliegen nie lernen würde. Tausend verschiedene Sachen,
auf die man zu achten hat. Und dann noch die Fluglehrer, die einem
erzählen, wie einfach das Ganze doch sei.
Am Ende des zweiten Tages war es dann soweit: Wir sollten mal so richtig
abheben mit unseren Schirmen. Auf diesen Augenblick hatten wir lange
genug gewartet.
Hier sieht man mich beim Start zu meinem ersten Flug ber eine
Hhendifferenz von 50 Metern. Das ganze war schon recht aufregend - ich
stand am Hang und überlegte mir, ob ich jetzt wirklich diesen
blöden Hang wie ein Wilder runterrennen soll.
Naja, das lange Nachdenken hat nichts gebracht und ich bin einfach
losgerannt.
Und da sieht man mich schon bei meinem ersten Flug. In einer leichten
Rechtskurve geht es auf die Landewiese zu. Um diese Flüge zu
unternehmen muste man zwar den Berg etwas weiter hochsteigen als sonst,
aber dafür darf man dann auch kurzzeitig das Fliegen geniessen. Und
ein Genuss ist es sicherlich. Selbst diese kurzen Hüpfer waren
jedesmal ein riesiger Spass.
Von diesen Flügen haben wir insgesamt fast zehn Stück
gemacht, dann waren die ersten drei Tage des Kurses vorbei. Am Morgen des
vierten Tages dann, sollten wir unseren ersten Höhenflug
absolvieren.
Hier stehe ich am Start zu meinem ersten Flug über eine
Höhendifferenz von 500 Metern. Eine Höhendifferenz von mehr als
300 Metern wird als Höhenflug bezeichnet. Eine gewisse Anzahl dieser
Flüge ist für das erfolgreiche Absolvieren des Kurses
Vorraussetzung.
Startplatz war der "Perler". Von dort kann man den
Landeplatz, den Mühlbacher Hof, gut sehen. Soweit zu den guten
Nachrichten.
Da stand ich dann also. Alle Vorbereitungen waren getroffen,
der Wind war gut und ich durfte starten. Tja, und dann fängt man wieder an
nachzudenken: Ist es wirklich gut, jetzt diesen steilen Berg
runterzurennen? Im Normalfall wäre das keine gute Idee, da man nicht
mehr bremsen könnte und sicherlich sehr unsanft aufschlagen
würde.
Aber was sollte schon passieren? Ich hatte drei Tage lang für
diesen Moment geübt, ich war mit einer Art Fallschirm verbunden und
zwei Fluglehrer taten so, als ob es das natürlichste der Welt
wäre.
Das Ergebnis kennen wir schon: Einfach losrennen!
Und dann bin ich auch schon in der Luft. Erstmal noch in aufrechter
Haltung, falls noch etwas schiefgeht.
Und weil es der erste Höhenflug war, geht es erstmal auf direktem
Weg in Richtung Landeplatz. Dort wird dann in Kreisen die Höhe
abgebaut und gelandet.
Den ganzen Flug über bekommt man von den Fluglehrern verbale Hilfe
über Funk. So eine Art Fernsteuerung für Gleitschirmflieger
also. Ein Fluglehrer befindet sich am Startplatz, ein weiterer am
Landeplatz. Speziell für die richtige Einteilung des Landeanfluges
braucht man am Anfang viel Unterstützung. Das Einschätzen der
Höhe über Grund braucht einige Erfahrung.
Hier sieht man Hendrik bei seinem Landeanflug. Ich selbst habe zu dem
Zeitpunkt gerade meinen ersten Alleinflug gemacht.
Dies ist die Verranda der Pension, auf der wir uns dann Abends nach dem
Fliegen erholen konnten.
So sieht das Haus von vorne aus.
Blick vom Gleitschirm aus zum Landeplatz "Mühlbacher
Hof".
Blick vom Gleitschirm talauswärts nach Norden,.
An dem bewaldeten Hang rechts habe ich über eine Stunde lang im
Aufwind gesoart. Erst als ich dann keine Lust mehr hatte, bin ich dann in
Richtung Landeplatz geflogen.
Ein weiterer Blick taleinwärts in Richtung "Mühlbacher
Hof". Rechts am Bildrand sieht man Mayrhofen.
Mein Arbeitskollege Martin kurz nach der Landung.
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